Berauschende Musikalität im Frühjahr 2009: Neue großartige Alben von Mando Diao, Glasvegas, U2, Neal Casal, Bigbang, Kristofer Aström, The Sons und Selig

Hatte man im Kalenderjahr 2008 durchaus seine Schwierigkeiten die Jahres-Top-Ten zu füllen, so warten die ersten Monate des Jahres 2009 mit etlichen, wirklich großartigen Alben auf. Und wir möchten an dieser Stelle unbedingt auf diese tollen CDs hinweisen. Da brauch man schon fast keine weiteren Alben für dieses Jahr. Zumindest wird es für andere Bands und Künstler nicht einfach, diese hohe Messlatte zu erreichen.

Hier die Empfehlungen aus der FMS Blog-Redaktion:

  • Glasvegas - Glasvegas
  • Neal Casal - Roots & Wings
  • Bigbang - Edendale
  • The Sons - Visiting Hours
  • Mando Diao - Give Me Fire
  • Selig - Und endlich unendlich
  • U2 - No Line On The Horizon

im April wird zudem die neue Kristofer Aström (Sinkadus) erscheinen.

Hier einige Worte zu den Alben, aber letztendlich musst ihr sie hören :-)

Glasvegas - Glasvegas

Wir haben uns daran gewöhnt, dass die britische Musikpresse jede Woche eine neue Hype-Band durch die Straßen treibt. Viele sind nach kurzer Zeit vergessen, verglüht. Manche aber nicht. Und Glasvegas ist so eine, die Jungs aus Glasgow haben das Zeug zu einer großen Karriere. Ihr selbstbetiteltes Debüt (bereits im September 2008 in UK veröffentlicht) chartete in England auf Platz 2. Der New Musical Express hatte Glasvegas bereits im Juni zur “besten neuen Rock’n’Roll Band der Welt” gekürt. Große Worte, aber das Album hat auch übergroße Songs an Bord. Ein Wall of Sound an Gitarren, majestätische Popsongs die gepaart mit der durchdringenden Stimme von James Allen gar U2 in mehreren Passagen in den Schatten stellen. Dazu im Gepäck mehrere Hitsingles, wie das großartige “Geraldine”, das durchdringende “Daddys Gone” oder das hymnenhafte “It’s my own cheating…” und das alles mit einem bergeversetzenden Pathos und dem ganz eigenen Charme des starken schottischen Akzents. Ein Spitzenwerk!
SonyBMG

Free Download von “Geraldine”.

NEAL CASAL - Roots & Wings

Dieses Solo Album vom amerikanischen Singer/Songwriter Neal Casal kommt recht überraschend. Gehört er doch seit 2007 den Cardinals an, der Band die den großen Ryan Adams auf Tour begeleitet und mittlerweile auch im Studio unverzichtbar wird. Neal Casal ist in den letzten Jahren ein treuer Weggefährte von Ryan Adams geworden. Da leidet natürlich etwas die Solo Karriere. Und trotzdem fand Neal die Zeit ein 16 Songs auf seinem neuen Studioalbum (seinem Achten!) aufzunehmen. Sehr entspannte Americana, Folk-Rock Songs, wie gehabt mit Hang zum Westcoast Sound der 70er. Es ist eines seiner besten geworden. Perfekt instrumentiert mit langjährigen Weggefährten von Casal: Greg Leisz (Wilco, Jayhawks, Robert Plant & Alison Krauss), John Ginty (Ryan Adams, Sheryl Crow) oder Jeff Hill (Hazy Malaze, Rufus Wainwright), wird viel balladeskes Material dem Hörer geboten. Mit “Turn For The Worse”, einer Akustikballade mit engelsgleicher Flöte im Hintergrund, gelingt ihm gar einer seiner besten Songs seit Jahren. “Roots & Wings” schwelgt voller Harmonien, garniert mit viel Pedal Steel Gitarre und lässt der guten alten Hammond Orgel freien Lauf.
Fargo Records/ Rough Trade

Bigbang - Edendale

Die erste Single “Swedish Television” als Vorbote für das mittlerweile siebte Studioalbum der Norweger versprach einiges. In diese Akustik-Gitarren-Ballade, ausgestattet mit einer wunderschönen Melodielinie, setzt Sänger und Songschreiber Øystein Greni viel Patos rein, der Song wirkt geradezu zerbrechlich - gut. Bigbang sind wieder in der Trio Besetzung der frühen 2000er Jahre zusammen. Natürlich mit Sänger und Gitarrist Øystein Greni und Olaf Olsen an den Drums, aber auch Nikolai Eilertsen am Bass ist wieder dabei. “Edendale” vermag auf langen Strecken durchaus ruhiger wirken, was keineswegs nachteilig ist. Eine weitere große Ballade ist mit “Isabel” beinhaltet, ein sechseinhalbminütiger zarter Stampfer, der bereits jetzt schon auf Livekonzerten gefeiert wird. Abwechslungsreich wird es in “To The Max”, wo erneut ganz viel Soul ins 70ies House Of Rock einzieht. In Norwegen, wo Bigbang zu den Superstars gezählt werden, ist “Edendale” von Null auf Eins in die Charts eingestiegen. Diese Nr.1 Chart Position hatten bereits die letzten vier Veröffentlichungen geschafft: “Something Special - Best Of”, “Too Much Yang”, “Poetic Terrorism” und “Radio Radio TV Sleep”. Letzteres zählt übrigens zum erfolgreichsten Live Album ever in Norwegen und hat mittlerweile Platinstatus erreicht.
Warner Norway

Derzeit ist “Edendale” nur über Import erhältlich. Als Empfehlung darf der Versand CDON genannt werden.

Hier ein Studiovideo der schönen Ballade Isabel:

The Sons - Visiting Hours

Einer der interessantesten CD Veröffentlichungen dieses Frühjahrs kommt aus der englischen Arbeiterstadt Derby. “Visiting Hours” ist das überaus gelungene Debüt von The Sons. Die Gruppe um Sänger Paul Herron hatte nichts Besseres zu tun, als unentwegt live zu spielen. Drei Jahre sind sie durch sämtliche Clubs auf der Insel gereist und haben an ihrer Livepräsenz gefeilt. Nach achtmonatigem Probe- und Studioraumaufenthalt legen sie nun ihr bezauberndes Debüt vor. Ein Album, welches den melodischen Gitarrenpop Song in den Vordergrund stellt. Da mögen manche The Beatles oder The Kinks raushören, andere die Super Furry Animals, The Sons selbst geben die frühen R.E.M. als Einfluss an. Letztendlich haben The Sons genügend Eigenständigkeit und landen einen Volltreffer, weil das Album einfach vor Abwechslung und vor allem großen mitreißenden Songs strotzt. Höre man nur den Opener “Welcome Home Again” mit diesem obercoolen Basslauf, den lockeren Gitarren und dieser rauen, mitfühlenden Stimme. “Visiting Hours” lädt zum beschwingten tanzen ebenso ein, wie zum abrocken.
popup-records

MANDO DIAO - Give Me Fire

Was ein Album! Wer hätte dieses Prachtwerk von den Schweden noch erwartet. Mit der Single “Dance With Somebody” mal locker bis auf Platz 1 in die Charts geprescht und was noch viel geiler ist, es sind noch wesentlich mehr, noch bessere Songs auf “Give Me Fire”! Allein der Albumübergang von “Dance With Somebody” zur Hymne “Gloria” lohnt den Kauf. “Gloria” würde sich bestens in einem Tarantino Film machen. Bei “Mean Street” glaubt man die Beatles 2009 vor sich zu haben. Es strotz gerade so vor Abwechslungsreichtum - und das ist es was “Give Me Fire” zu einem ganz großen Album macht. Bei “You Got Nothing On Me” finden die Schweden ein Mix aus Black Sabbaths “War Pigs” und Arthur Browns “Fire”, um schließlich bei “Crystal” in Zuckersüße zu schwelgen. Ein Anwärter für die Top 3 der Jahrescharts!!!

SELIG - Und endlich unendlich

Zu schön, dass diese Herren wieder zusammen sind. Zwar ist es seitens der FMS auch mehr als schade, dass nun TempEau auf Eis liegt, die zwar nie den großen Erfolg verbuchten, aber ein fantastisches Album hervorgebracht haben. Aber nun ist erstmal wieder Selig Zeit. Die -sagen wir mal- deutsche Grunge Rockband schlechthin. Nach drei Studioalben hatten sie sich schließlich aufgelöst. Nun, nach über 12 Jahren erscheint “Und endlich unendlich” und besticht mit 12 hervorragenden Rocksongs und Balladen. Es ist die Stimme von Jan Plewka, die Hammond von Malte Neumann und die Frusicante - Gitarre von Christian Neander, die einen so begeistern lässt. Dass die Männer ein komplettes, so musikalisch dichtes Album ohne irgendeinen Hänger auf die Fans loslassen, hat sicher keiner erwartet. Ein Gottesglück, dass Selig einfach bei den alten Songstrukturen weitermachen, schlicht sehr gute Songs schreiben und einfach eine Selig Scheibe abliefern. Ganz ehrlich möchte man keine einzelnen Songs hervorheben, da es durchweg sehr stark geworden ist, aber die herrliche Ballade “Traumfenster” muss als krönender CD-Abschluß erwähnt sein.
Universal

U2 - No Line On The Horizon

Fraglos ist es eine Leistung, nach über 30 Jahre Bandgeschichte Fans und Kritiker immer noch zu begeistern. Die ewigen U2 Nörgler werdern weiter nörgeln. Aber mit “No Line On The Horizon” ist U2 erneut ein richtig gutes Album gelungen. Es wäre das einfachste mit einer Best Of Sammlung durch die Welt zu touren. U2 hegen jedoch den Anspruch sich zu verändern, zu erneuern, der populären Musik neue Impulse zu geben, was Ihnen bereits mehrfach gelungen ist. So ist das neue Album, wie im Vorfeld zwar berichtet, kein Quantensprung geworden, aber eine Bereicherung des U2 Oeuvres allemal. “No Line On The Horizon” ist eine eingängige Mischung aus den letzten beiden songwriterisch starken Studioalben, mit leichten Elementen aus der “Achtung Baby” Zeit und großen Soundlandschaften des Passangers Projektes. Womit deutlich Brian Enos Handschrift als Produzent zu erkennen ist. Ebenso wieder im Produzentensessel dabei: Daniel Lanois und Steve Lillywhite. Aufgenommen wurden Songs, wie das balladeske “White As Snow”, die großartige Hymne “Moment Of Surrender” oder das orientalisch angehauchte “FEZ – Being Born” quer über den Globus: Dublin, Marokko, London, New York.
Universal

Im April dann der nächste Höhepunkt:

KRISTOFER ASTRÖM - Sinkadus

Kristofer Aström darf man zu den beachtenswertesten Musikern Schwedens zählen, sicher auch zu den vielseitigsten, ebenso zu den fleißigsten. Mit der (Emo/Alternative-) Rockband Fireside hat er von 1995 bis 2003 sechs Alben unters Volk gebracht. Seit 1998 veröffentlicht er hingegen als Solokünstler im Songwriter Bereich stets immer besser werdende Alben. “Sinkadus” ist bereits sein siebtes Solo Album. Zuletzt mehr im Country- und Americana Genre unterwegs, finden sich auch hier Spuren davon, aber auch jede Menge straighter Rocksongs und feine Popstücke begeistern. Zusammen mit Mitgliedern seiner Begleitband The Rainaways, sowie dezenter Gesangsunterstützung von Engelsstimmen der Damen Nina Kinert, Britta Persson oder Johanna Färjhage eingespielt, tummelt sich Aström, stimmlich, wie auch musikalisch bei “Come Out” oder “The Party” sehr überzeugend zwischen Eddie Vedder und Pete Yorn. Einer von vielen Höhepunkte ist “When Her Eyes Turn Blue”, einem Ohrwurmsong mit bittersüßen Timbre. “A Song For While I’m Away” von Thin Lizzy hingegen gibt er einen herrlich melancholischen Anstrich. Fraglos eines seiner besten Alben und definitiv ein Highlight des Frühjahrs.
Startracks Records/Indigo

Gastkritiken und Kommentare sind erwünscht. Der ein oder andere wird mit einem Griff in die FMS CD-Kiste belohnt :-)

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6 Responses

  1. Bigbang mit neuen Album im März 2009. Neue Single “Swedish Television” als Stream. meint:

    [...] Eine Albumkritik gibt es hier. gelesen: 292 Mal Tags: Album, Bigbang, edendale, fanpage, FMS, greni, Neue CD, new single, [...]

    Geschrieben am 31. Mrz 2009 um 21:28 Uhr

  2. Selig mit neuem Vidoe und Open Air Auftritten in 2009. meint:

    [...] Albumkritik findet man hier. gelesen: 190 Mal Tags: Anröchte, Ausverkauft, Berlin, Bochum, Bremen, Nürnberg, open [...]

    Geschrieben am 31. Mrz 2009 um 21:29 Uhr

  3. Am 27.02.09 erscheint das neue Album von U2 - No Line On The Horizon meint:

    [...] Update: Albumkritik hier. [...]

    Geschrieben am 31. Mrz 2009 um 21:31 Uhr

  4. Glasvegas mit der besseren U2 Single meint:

    [...] zu U2 und Glasvegas hier. gelesen: 214 Mal Tags: 2009, Album, Band, Bands, free download, geraldine, get on your [...]

    Geschrieben am 31. Mrz 2009 um 21:47 Uhr

  5. Micha meint:

    Gastkritik:
    ** U2 - No Line On The Horizon **

    Endlich sind sie wieder da, die guten, alten, die experemtierfreudigen, die genial songschreibenden, die wundervoll textenden, die sich selbst treu bleibenden U2. Mit der neuen Platte „No Line on the Horizon“ ist endlich wieder ein Werk gelungen, dass alte Wurzeln nicht kappt und neue Triebe sprießen lässt. Es klingt sehr viel Neues durch, die Zusammenarbeit mit Brian Eno und Daniel Lanois ist hörbar, Anklänge an Frühwerke schwingen durch und man muss beim Durchhören einfach selig lächeln. Mit „White As Snow“ ist ein derart wunderschönes Meisterwerk gelungen, dass es fast an „One“ heranreicht, wobei Bono diesmal noch deutlicher zeigt, was für ein begnadeter Sänger er ist und vor allem, was für Texte er zu schreiben imstande ist - ein brillantes Zusammenspiel zwischen Stimme und Wort. Stadiontaugliche Kracher wie das Titelstück, die erste Auskopplung „Get On Your Boots“ oder „Breathe“ kontrastieren reizvoll zum sehr ruhigen, fast schwermütigen „Cedars of Lebanon“, auf „Magnificient“ meint man, die 91er Berliner Zeiten der Band herauszuhören und über allem schwebt eine Gitarre, die man am besten mit der Gotik des Mittelalters vergleicht, bei der sich die Betrachter fragten, wie etwas so feines und filigranes so fundamental und tragend sein kann. Noch ein seliges Lächeln dazu. Produziert und gemischt wurde geohnt hochwertig und auf alle Instrumente bedacht, so dass nichts überlagert, alles wahrgenommen werden kann und viele technische Feinheiten offenbar werden, besonders in ruhiger Kopfhörer-Atmosphäre. (Apropos „Kopfhörer“ - Läufern sei „No Line on the Horizon“ besonders ans Herz gelegt – ein 10 km-Lauf vergeht wirklich wie im Flug.)

    Die ganze Platte ist sehr komplex, in sich könnte sie beinah als Konzeptalbum durchgehen, so homogen, geschlossen und schlüssig ist sie als Gesamtwerk, dann aber wieder enthält sie derart charakterstarke Songs, die man wegen ihrer Individualität und Klasse einfach lieben muss. Und um noch einmal auf „White As Snow“ zurückzukommen – früher war es oft so, dass U2-Songs ihren Zauber allmählich entfalteten und sich nach und nach erschlossen, „White As Snow“ aber fasziniert und beglückt von der ersten Sekunde an. Spätestens wenn der Gesang einsetzt, hat es einen gepackt und lässt nicht mehr los. Allein für diesen Moment lohnt es, die Scheibe zu kaufen.

    Sogar mit dem Titelmotiv kann man sich anfreunden, auch wenn es diesmal nicht von Anton Corbijn ist, dafür aber den Albumtitel bildhaft sehr deutlich, klar und sehr unmissverständlich aufgreift. Wem das entsprechende Poster im limitierten Box-Set zu karg ist, der kriegt auf der Rückseite sogar noch mal die Band - sehr gut, auch daran wurde gedacht.

    Man darf sich wirklich auf die Sommer-Tour freuen und gespannt sein, wie „No Line on the Horizon“ auf der Bühne klingt. Auch hier ist ein vorfreudiges, seliges Lächeln erlaubt.

    Insgesamt also ein dickes, fettes Kompliment nach Irland an die immer noch beste und kreativste Rockband der Welt, die, wie es der Musikexpress so schön ausdrückte, immer noch „…den Mut zur Fehlbarkeit…“ hat und dadurch bei aller Qualität nie langweilig werden wird, solange sie eben diesen Mut bewahrt. Möge er ewig währen.
    Micha Gsänger

    Geschrieben am 31. Mrz 2009 um 09:47 Uhr

  6. Bigbang toppen die norwegischen Charts mit neuem Album “Edendale” meint:

    [...] Eine Albumkritik, Bestellmöglichkeit (da bisher in Deutschland nicht erhältlich und nur über Import möglich), sowie Video findet man hier. [...]

    Geschrieben am 31. Mrz 2009 um 18:04 Uhr

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